Selbstverständnis unserer Arbeit und unserer Ziele
Hintergrund
In vielen Bereichen unserer Gesellschaft erleben wir eine zunehmende Entsolidarisierung. Einzelinteressen werden über das Gemeinwohl gestellt, die Bereitschaft sich für das Gemeinwohl einzusetzen, scheint in vielen Bereichen zurückzugehen. Wir aber glauben, dass eine Gesellschaft nur dann lebenswert ist, wenn sie für die Interessen aller, auch der schwächsten Glieder der Gesellschaft, eintritt. Wir glauben, dass gesellschaftliches Miteinander erfüllend sein kann und Spaß machen kann, wenn füreinander eingetreten wird, ohne dass immer gleich nach dem Nutzen gefragt wird. Dies gilt im Besonderen auch für das Gesundheitssystem, in dem die Gemeinwohlorientierung und die Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen im Fokus stehen sollten.
Als eine Gruppe gesundheitspolitisch interessierter Bürger*Innen begleiten wir schon seit Längerem mit großer Skepsis die Entwicklungen in unserem Gesundheitswesen. Momentan erleben wir, wie schwierig es ist, die Finanzierung unserer Krankenhäuser in sinnvoller Weise zu reformieren und wieder mehr an den wohnortnahen Bedürfnissen auszurichten. Das Finanzierungsmodell steht dabei in besonderer Kritik, da es die Krankenhäuser nötigt, kranke Menschen (die dann zu Fallzahlen werden) zu schaffen, um überleben zu können. Dabei sollte doch eigentlich die Verhinderung von „Fallzahlen“ das Ziel sein! Gleichzeitig sehen wir, dass Krankenhäuser oft in privater Trägerschaft in erster Linie nach der Gewinnerzielung ausgerichtet werden und nicht an dem tatsächlichen Versorgungsbedarf vor Ort.
Ohne breite Öffentlichkeit vollzieht sich aktuell aber eine fast noch alarmierende Entwicklung. Hierbei geht es um die ambulante ärztliche Versorgung, also alles was mit haus- und fachärztlicher Behandlung außerhalb der stationären Krankenhausbehandlung einhergeht. Bisher sind wir gewohnt, dass ein Arzt / eine Ärztin als Kleinunternehmer*In eine Praxis führt, manchmal mit Kolleg*Innen zusammen. Wir vertrauen darauf, dass hier die sinnvolle medizinische Behandlung im Vordergrund steht, auch wenn das Vergütungsmodell Anreize schafft, durch nicht sinnvolle Handlungen Geld verdienen zu können. Allerdings erleben wir einen Wandel in der Bereitschaft nachwachsender Ärzt*Innen, eigenverantwortlich mit allen Vor- und Nachteilen wirtschaften zu müssen. Vermehrt wird der Wunsch geäußert in einem Angestelltenverhältnis arbeiten zu wollen, in dem es möglich ist, sich auf die medizinischen Aspekte der Behandlung zu konzentrieren und geregelte Arbeitszeiten ein Leben neben der Praxis ermöglichen. Hierdurch ist zu verstehen, dass seit geraumer Zeit die Möglichkeit besteht sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu gründen.
Gleichzeitig steht die Organisation der ambulanten Versorgung vor großen Herausforderungen, denn im Zuge der aktuellen Krankenhausplanung sollen viele Behandlungen, die bisher nur im Krankenhaus durchgeführt werden durften, in den ambulanten Bereich verschoben werden („Ambulantisierung“). Entsprechende Voraussetzungen sind im ambulanten Bereich jedoch nicht gegeben. Schon jetzt erleben viele Menschen auch bei uns im Bochumer Osten am eigenen Leib, dass sie zum Teil monatelang auf einen Termin – insbesondere bei FachärztInnen – warten müssen.
Ziele
Unser Verein hat sich aus der Bewegung „Gesunde Krankenhäuser in NRW“ entwickelt und es sich zur Aufgabe gemacht, eine solidarische und gemeinwohlorientierte Gesundheitsversorgung im Bochumer Osten zu fördern. Wir wollen durch Aufklärung und Sensibilisierung zu Themen wie mentaler Gesundheit, speziellen Krankheitsbildern, gesunder Ernährung oder Präventionsmaßnahmen und körperlicher Fitness unmittelbar zur Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz beitragen. Wir setzen uns ein für die Unterstützung von benachteiligten Gruppen in der Gesellschaft, z.B. durch Angebote speziell für Menschen in Armut, Geflüchtete oder Senior*Innen und fördern dadurch die soziale Solidarität. Da Gesundheit immer auch eine soziale und politische Seite hat, sind wir in der gesundheitspolitischen Arbeit aktiv, um die Politik und Öffentlichkeit auf die Bedürfnisse der Bevölkerung in Bezug auf Gesundheit und soziale Gerechtigkeit aufmerksam zu machen. Durch regelmäßige Veranstaltungen stärken wir die öffentliche Diskussion zu gesundheitspolitischen Themen und die gesundheitliche Selbstbestimmung der Menschen. Langfristig planen wir ein Gesundheitszentrum in unserem Stadtteil aufzubauen, in dem die mannigfaltigen Aktivitäten zentriert werden und durch ein Netzwerk in den Stadtteil hineinwirken. Hier sollen medizinische Beratung und Versorgung gleichberechtigt zu sozialer Beratung und Aufklärung in einem kommunikativen Umfeld stattfinden. Das Zentrum darf nicht nach der Maxime der Profiterwirtschaftung arbeiten, muss sich vielmehr an den Bedürfnissen der Bevölkerung vor Ort orientieren. Die Finanzierung muss durch öffentliche Gelder und die Krankenkassen erfolgen. Dieses Zentrum soll durch eine entsprechend zugeschnittene Vision einer Stadtteilentwicklung Teil einer gesunden Entwicklung des Wohnumfeldes im Bochumer Osten sein und somit die Attraktivität des Bochumer Ostens weiter fördern.
Bisherige und geplante Veranstaltungen (Stand August 2025):
Alle, die Interesse an einer engagierten politisch-praktischen Arbeit zum Thema Gesundheit und Gesundheitspolitik haben, sind herzlich eingeladen zu unseren regelmäßigen Treffen zu kommen. Diese finden an jedem ersten Dienstag im Monat um 18:30 im LutherLAB statt. Um Voranmeldung wird gebeten. Öffentliche Veranstaltungen haben wir bisher folgende durchgeführt:
06.12.2023: Brauchen wir ein Stadtteilgesundheitszentrum? (Bahnhof Langendreer)
18.06.2024: Vorstellung des Vereins auf der Stadtteilkonferenz Langendreer (LutherLAB)
20.02.2025: Gesellschaftliche Ursachen psychischer Erkrankungen (LutherLAB)
24.04.2025: Schlaganfall: Vorbeugen, Erkennen, Behandeln, mit Folgen leben LutherLAB)
03.07.2025: Gesundheit und Geschlecht (LutherLAB)
04.09.2025: Stadtentwicklung und Gesundheit – Modelle ambulanter Versorgung und was hat Stadtentwicklung mit unserr Gesundheit zu tun? (LutherLAB)
Kontakt:
Verein zur Förderung eines solidarischen und öffentlichen Gesundheitswesens im Bochum Osten – BoGeSo e.v., c/o LutherLAB, Alte Bahnhofstr. 166, 44892 Bochum
